Das erste Telefonat: die wichtigsten neunzig Sekunden
Viele arbeiten monatelang an ihrer Massage und keine Stunde an dem, was davor passiert. Dabei entscheidet sich am Telefon, ob jemand überhaupt auf die Liege kommt — und zwar lange bevor du etwas Fachliches gesagt hast.
Kurzantwort
Melde dich mit Namen und Angebot in einem ruhigen Satz. Stell drei Fragen: Was wünschst du dir? Schon einmal massiert worden? Gesundheitlich etwas Wichtiges? Gesundheitsfragen nur grob — der Rest gehört auf den Anamnesebogen vor Ort. Erkläre von dir aus Ablauf, Dauer, Abdeckung, Preis, Anfahrt. Beim Preis nicht ausweichen. Und mach den Termin verbindlich: wiederholen, notieren, schriftlich bestätigen.
Warum die ersten neunzig Sekunden entscheiden
Massage ist eine Vertrauensleistung mit ungewöhnlich hoher Einstiegshürde. Wer anruft, plant, sich bei einem fremden Menschen halb entkleidet auf eine Liege zu legen. Das sagt niemand so, aber jeder denkt es. Deshalb hört dein Gegenüber am Telefon nicht in erster Linie auf Fakten, sondern auf etwas anderes: Klingt diese Person ruhig? Hat sie Zeit für mich? Weiß sie, was sie tut?
Das Ergebnis steht meist nach anderthalb Minuten fest — also zu einem Zeitpunkt, an dem du fachlich noch nichts erklärt hast. Die gute Nachricht: Genau deshalb ist es lernbar. Es geht nicht um Rhetorik, sondern um drei Dinge, die man sich vorher zurechtlegen kann — wie du dich meldest, was du fragst, was du von dir aus sagst.
Wie du dich meldest
Ein Satz, ruhig gesprochen, mit deinem Namen und dem, was du anbietest. Zum Beispiel: „Wellnessmassage Baumann, Peter Baumann, guten Tag.“ Fertig. Das klingt banal, ist aber der häufigste Stolperstein — weil viele beim Rangehen noch mit dem Kopf woanders sind.
Daraus folgt die wichtigste Regel dieses Abschnitts: Geh nicht ran, wenn du nicht sprechen kannst. Nicht während einer Massage, nicht im Auto bei schlechtem Empfang, nicht mit dem Einkaufswagen im Supermarkt. Ein Rückruf zwanzig Minuten später in Ruhe ist um ein Vielfaches besser als ein gehetztes Gespräch mit Hintergrundgeräuschen. Und ganz sicher gehst du nicht ran, während ein Gast auf deiner Liege liegt — das erzählt dieser Gast nämlich weiter, und zwar nicht positiv.
Am Anfang habe ich mir die drei Fragen und die fünf Punkte, die ich von mir aus erkläre, auf einen Zettel geschrieben und neben das Telefon gelegt. Das ist kein Spickzettel für Anfänger, sondern schlicht Handwerk: Wer nicht überlegen muss, was als Nächstes kommt, klingt ruhiger. Nach etwa zwanzig Telefonaten brauchst du den Zettel nicht mehr — bis dahin nimmt er dir die halbe Anspannung ab.
Die drei Fragen
Mehr braucht es am Telefon nicht. Jede der drei erfüllt einen eigenen Zweck:
- „Was wünschst du dir denn?“ — Damit erfährst du, ob dein Angebot überhaupt passt. Wer „meinen Rücken behandeln lassen“ sagt, meint oft etwas anderes als eine Wellnessmassage, und das klärst du besser jetzt als auf der Liege. Wo die Grenze verläuft, steht in Was ein Wellnessmasseur darf.
- „Warst du schon einmal bei einer Massage?“ — Die unterschätzteste Frage überhaupt. Ein Nein bedeutet: Du erklärst gleich deutlich mehr, vor allem zur Abdeckung. Ein Ja bedeutet: Du kannst fragen, was demjenigen damals gefallen hat und was nicht — bessere Information bekommst du nirgends.
- „Gibt es gesundheitlich etwas, das ich vorher wissen sollte?“ — Bewusst offen und bewusst grob. Es geht nur darum, ob offensichtlich etwas gegen einen Termin spricht.
Warum Gesundheitsfragen ans Telefon nicht hingehören
Hier machen viele zu viel. Sie fragen am Telefon eine ganze Anamnese ab, aus dem guten Motiv heraus, gründlich sein zu wollen. Drei Gründe sprechen dagegen.
Erstens dokumentierst du nichts. Was am Telefon gesagt wurde, steht nirgends. Wenn später etwas vorfällt, hast du nichts in der Hand. Zweitens ist es unvollständig. Ohne Bogen vergisst du Punkte, und dein Gegenüber vergisst sie auch — beim Ausfüllen fällt vielen erst ein, dass sie Blutverdünner nehmen. Drittens ist es unangenehm. Ausführliche Fragen nach Krankheiten von einer fremden Stimme am Telefon empfinden viele als übergriffig, noch bevor ein Vertrauensverhältnis besteht.
Deshalb der Satz, mit dem du sauber weiterleitest: „Danke, das reicht mir fürs Erste. Alles Weitere gehen wir vor Ort in Ruhe auf einem kurzen Bogen durch, bevor wir anfangen.“ Das wirkt professionell und verschiebt die Sache genau dorthin, wo sie hingehört — wie so ein Bogen aufgebaut ist, steht in Anamnesebogen und Kontraindikationen.
Was du von dir aus erklärst
Der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Erstgespräch liegt darin, was du sagst, ohne gefragt zu werden. Fünf Punkte, jeweils ein bis zwei Sätze:
| Punkt | Warum er wichtig ist | Wie du es sagen kannst |
|---|---|---|
| Ablauf | nimmt die Angst vor dem Unbekannten | „Wir gehen kurz durch, was du dir wünschst, dann lasse ich dich in Ruhe hinlegen.“ |
| Dauer | Menschen planen ihren Tag | „Rechne insgesamt etwas mehr Zeit ein als die reine Massagezeit.“ |
| Abdeckung | die stille Hauptsorge fast aller Erstkunden | „Du bist durchgehend abgedeckt, frei ist immer nur der Bereich, an dem ich gerade arbeite.“ |
| Preis | Unklarheit verhindert Buchungen | „Die Stunde kostet …, darin ist alles enthalten.“ |
| Anfahrt | schlecht zu findende Adressen kosten Termine | „Ich schicke dir die Adresse mit einem Hinweis zum Parken.“ |
Der Punkt Abdeckung ist der wirksamste von allen. Fast jeder Erstkunde hat diese Frage im Kopf, fast niemand stellt sie. Wer sie von sich aus beantwortet, nimmt in einem Satz die größte Hürde weg — und signalisiert nebenbei, dass hier sauber gearbeitet wird. Wie das praktisch aussieht, steht in Abdeckung und Tuchtechnik.
Wenn die erste Frage der Preis ist
„Was kostet das denn bei Ihnen?“ — noch bevor irgendetwas anderes gesagt wurde. Das verunsichert viele Anfänger, ist aber harmlos. Die meisten Menschen fragen das, weil sie einen Rahmen brauchen, nicht weil sie den günstigsten Anbieter suchen.
Die Antwort lautet: Preis nennen, ohne Zögern, und im selben Atemzug sagen, was enthalten ist. Also nicht „ja, also, das kommt ganz darauf an …“, sondern eine klare Zahl plus einen Satz Inhalt. Wer beim eigenen Preis herumdruckst, signalisiert, dass er ihn selbst für zu hoch hält — und genau das überträgt sich. Wie du zu einer Zahl kommst, hinter der du stehen kannst, steht in Massagepreise kalkulieren.
Kommt danach „das ist mir zu teuer“, ist das keine Verhandlungseröffnung, sondern eine Information. Ein freundliches „Das verstehe ich, dann passt es gerade nicht — melde dich gern, wenn sich das ändert“ beendet das Gespräch sauber. Rabatte am Telefon sind der schnellste Weg zu einer Kundschaft, die nur wegen des Preises da ist.
Unpassende Anfragen erkennen
Sie kommen, und sie sind selten schwer zu erkennen. Typische Signale:
| Signal am Telefon | Was du sagst |
|---|---|
| Fragen nach deiner Kleidung oder deinem Aussehen | „Das gehört nicht zu meinem Angebot. Ich beende das Gespräch hier.“ |
| Wunsch nach Massage ohne Abdeckung | „Bei mir wird durchgehend abgedeckt. Anders arbeite ich nicht.“ |
| Fragen nach Körperregionen, die du nicht anbietest | „Diese Bereiche massiere ich grundsätzlich nicht.“ |
| Später Abendtermin bei dir zu Hause, hartnäckig vorgetragen | „Ich arbeite nur zu meinen regulären Zeiten.“ |
| Betonte Anonymität, keine Nummer, kein Name | „Ich vergebe Termine nur mit Namen und Rückrufnummer.“ |
| Anspielungen, „Sie wissen schon“, Lachen an falscher Stelle | „Ich glaube, wir meinen Unterschiedliches. Auf Wiederhören.“ |
Du schuldest niemandem eine Begründung und schon gar keine Diskussion. Ein Satz, freundlich im Ton, eindeutig im Inhalt, dann auflegen. Wichtiger als die Absage selbst ist allerdings das, was vorher passiert: Je eindeutiger dein Außenauftritt, desto seltener kommen solche Anrufe überhaupt. Dazu ausführlich Seriös auftreten statt Missverständnisse und Schwierige Kunden und Grenzfälle. Für Termine außer Haus gelten zusätzlich eigene Vorsichtsregeln, die du dir vorher zurechtlegen solltest — nicht erst, wenn du schon vor der Tür stehst.
Den Termin verbindlich machen
Ein Termin, der nur mündlich im Raum steht, fällt deutlich häufiger aus. Vier kleine Schritte am Ende des Gesprächs:
- Wiederholen: „Also Donnerstag, der Zwölfte, um sechzehn Uhr.“ Das fängt Missverständnisse ab, bevor sie entstehen.
- Notieren: Name und Handynummer, sofort, nicht später aus dem Gedächtnis.
- Schriftlich bestätigen: eine kurze Nachricht mit Datum, Uhrzeit, Adresse und Parkhinweis.
- Absageregel beiläufig nennen: „Falls etwas dazwischenkommt, sag mir bitte bis zum Vortag Bescheid.“
Der letzte Punkt wirkt stärker, als er klingt: Er macht aus einer unverbindlichen Verabredung eine Abmachung, ohne streng zu klingen. Wie du kurzfristige Ausfälle darüber hinaus reduzierst, steht in No-Shows und Terminausfälle.
Wer nicht erreichbar ist und keinen Anrufbeantworter hat, verliert Anfragen — die Person ruft nicht dreimal an, sondern beim Nächsten. Sprich eine Ansage auf, in der dein Name, dein Angebot und der Hinweis vorkommen, dass du zurückrufst. Und dann ruf auch zurück, am selben Tag. Ein Rückruf nach zwei Tagen ist praktisch wertlos, weil die Entscheidung dann längst gefallen ist. Keine Musik in der Ansage, kein privates Familiengrußwort — das ist eine Geschäftsnummer.
Nachrichten und Messenger
Ein wachsender Teil der Anfragen kommt heute schriftlich. Das ist bequem und hat eine Tücke: Über Nachrichten entsteht das Vertrauen langsamer, weil Stimme und Tempo fehlen. Mein Vorgehen: Kurze Sachfragen beantworte ich schriftlich, alles darüber hinaus verlege ich ans Telefon — „Am einfachsten telefonieren wir kurz, dann kann ich dir alles in zwei Minuten sagen. Wann passt es dir?“
Zwei Dinge gelten schriftlich wie mündlich. Erstens: Ganze Sätze, Anrede, Name. Eine Nachricht ohne Begrüßung liest sich wie ein Zuruf, und du bist ein Betrieb, kein Chat. Zweitens: Keine Gesundheitsangaben über Messenger erfragen. Was jemand von sich aus schreibt, kannst du nicht verhindern — du solltest aber nicht danach fragen und die Angaben nicht dort belassen.
Schlecht und besser: Formulierungen
| Schlecht | Besser |
|---|---|
| „Ja, hallo?“ | „Wellnessmassage Baumann, Peter Baumann, guten Tag.“ |
| „Was wollen Sie denn?“ | „Was wünschst du dir denn?“ |
| „Haben Sie irgendwelche Krankheiten?“ | „Gibt es gesundheitlich etwas, das ich vorher wissen sollte?“ |
| „Das kommt ganz darauf an …“ | „Die Stunde kostet …, darin ist alles enthalten.“ |
| „Ich mache Ihnen einen Sonderpreis.“ | „Der Preis ist bei mir für alle gleich.“ |
| „Ich bin eigentlich noch Anfängerin.“ | „Ich arbeite seit … und habe mich auf … ausgebildet.“ |
| „Kann ich alles, kein Problem.“ | „Das biete ich nicht an, dafür bist du bei … besser aufgehoben.“ |
| „Melden Sie sich einfach mal.“ | „Passt dir Donnerstag um sechzehn Uhr?“ |
| „Ich schau mal, ob ich Zeit habe.“ | „Ich habe Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag frei.“ |
| „Also dann bis irgendwann.“ | „Ich schicke dir gleich eine kurze Bestätigung mit der Adresse.“ |
Auffällig ist, was die rechte Spalte gemeinsam hat: Sie ist konkret. Zwei feste Terminvorschläge bekommen häufiger ein Ja als die Frage, wann es denn passen würde — nicht aus Verkaufstrickserei, sondern weil eine offene Frage Arbeit macht und eine konkrete nur eine Entscheidung verlangt.
Häufige Fragen
Warum ist das erste Telefonat so wichtig?
Weil Massage eine Vertrauensleistung ist. Die Entscheidung fällt meist nach anderthalb Minuten — bevor du fachlich etwas gesagt hast.
Wie melde ich mich am Telefon?
Mit Namen und Angebot in einem ruhigen Satz. Und lieber nicht rangehen, als gehetzt zu sprechen.
Welche Fragen stelle ich?
Was wünschst du dir? Warst du schon einmal bei einer Massage? Gibt es gesundheitlich etwas, das ich wissen sollte?
Soll ich Gesundheitsfragen am Telefon ausführlich klären?
Nein, nur grob. Der Rest gehört auf den Anamnesebogen vor Ort — dort ist es vollständig, schriftlich und nachvollziehbar.
Was erkläre ich von mir aus?
Ablauf, Dauer, Abdeckung, Preis und Anfahrt. Der Punkt Abdeckung nimmt die größte unausgesprochene Sorge.
Was mache ich, wenn zuerst nach dem Preis gefragt wird?
Klar nennen und sagen, was enthalten ist. Ausweichen wirkt, als wäre dir dein eigener Preis unangenehm.
Woran erkenne ich eine unpassende Anfrage?
An Fragen nach Kleidung, fehlender Abdeckung, bestimmten Körperregionen oder späten Terminen bei dir zu Hause. Ein Satz genügt zur Absage.
Wie mache ich den Termin verbindlich?
Wiederholen, Name und Nummer notieren, kurz schriftlich bestätigen und die Absageregel beiläufig erwähnen.
Quellen und Anlaufstellen
- Eigene Erfahrungen aus Praxis und Kursleitung seit 2012, Massageschule Baumann
- Rückmeldungen von Absolventinnen und Absolventen zu Erstanfragen und Terminvergabe
- Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Art. 9 — Gesundheitsdaten als besondere Kategorie
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), §§ 611 ff. — Dienstvertrag und Absprachen zum Termin
- Polizeiliche Beratungsstellen — Hinweise zum Umgang mit übergriffigen Anfragen
Erfahrungsbericht, keine Rechtsberatung und keine medizinische Beratung. Die hier beschriebenen Gesprächsabläufe und Formulierungen sind Praxisorientierung, kein Erfolgsversprechen und keine Vorgabe für den Einzelfall. Ob und wie du Ausfallregelungen oder Datenerhebungen wirksam vereinbarst, klärst du im Zweifel anwaltlich. Gesundheitliche Fragen eines Gastes gehören in ärztliche Abklärung, nicht in ein Telefonat mit dir. Preise, Kurse und Termine findest du unter Kurse. Stand dieser Seite: 5. August 2026.