Kontraindikationen: Wann du nicht massieren darfst
Das ist die einzige Seite in diesem Bereich, bei der ein Fehler jemandem schaden kann. Alles andere macht eine Massage besser oder schlechter — das hier entscheidet über Sicherheit. Bitte lies sie ganz.
Kurzantwort
Nicht massiert wird bei Fieber und akuten Infekten, Thrombose oder Verdacht darauf, akuten Entzündungen, frischen Operationen und offenen Wunden, ansteckenden Hauterkrankungen, akuten Herz-Kreislauf-Ereignissen und bei starker Alkoholisierung. Bei allem Unklaren gilt eine einzige Regel: Im Zweifel nicht massieren und auf ärztliche Abklärung verweisen. Du verlierst einen Termin — nicht mehr.
Absolute Kontraindikationen — hier wird nicht massiert
| Situation | Warum |
|---|---|
| Fieber, akuter Infekt, Grippe | Kreislaufbelastung, Verschlechterung möglich, Ansteckungsgefahr |
| Thrombose oder Verdacht darauf | Gefahr, ein Gerinnsel zu lösen — potenziell lebensgefährlich |
| Akute Entzündungen (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz) | Verschlimmerung, mögliche Ausbreitung |
| Frische Operationen, offene Wunden, frische Narben | Wundheilungsstörung, Infektionsgefahr |
| Ansteckende Hauterkrankungen im Massagebereich | Übertragung auf dich und andere Gäste |
| Akute Herz-Kreislauf-Ereignisse | Kreislaufbelastung, Notfallsituation |
| Starke Alkoholisierung oder Drogeneinfluss | Kreislauf, fehlende Einwilligungsfähigkeit |
| Unklare, plötzlich aufgetretene starke Schmerzen | Ursache unbekannt — gehört ärztlich abgeklärt |
| Frische Verletzungen, Verdacht auf Bruch | Verschlimmerung |
Warnzeichen: eine einseitig geschwollene Wade, warm, gespannt, druckschmerzhaft, manchmal bläulich oder rötlich verfärbt, oft mit Spannungsgefühl beim Auftreten.
Massage an einem betroffenen Bein kann ein Gerinnsel lösen und eine Lungenembolie auslösen. Das ist kein theoretisches Risiko. Wenn dir etwas davon auffällt: nicht massieren, nicht deuten, sofort auf ärztliche Abklärung verweisen. Erhöhtes Risiko besteht nach langen Flügen, nach Operationen, bei Immobilisation, in der Schwangerschaft und bei bestimmten Medikamenten.
Relative Kontraindikationen — nur eingeschränkt oder nach Freigabe
| Situation | Vorgehen |
|---|---|
| Bluthochdruck in Behandlung | sanft, keine großen Kreislaufreize, langsam aufstehen lassen |
| Herzerkrankungen | ärztliche Freigabe, sanft, kurz |
| Krebserkrankung, laufende oder abgeschlossene Therapie | ärztliche Freigabe, sehr sanft, betroffene Regionen aussparen |
| Blutverdünnende Medikamente | deutlich sanfter, keine punktuellen Techniken, Hämatomrisiko |
| Osteoporose | sanft, kein starker Druck auf knöcherne Strukturen, keine Klopfungen |
| Diabetes mit Gefühlsstörungen | sanft, Füße besonders vorsichtig, Rückmeldung ist eingeschränkt |
| Schwangerschaft | Seitenlage, keine Bauchlage, keine tiefe Arbeit an Beininnenseiten; bei Risikoschwangerschaft ärztliche Freigabe |
| Epilepsie | ruhiges Setting, keine starken Reize, vorher besprechen |
| Bandscheibenvorfall, Wirbelsäulen-OP | ärztliche Freigabe, betroffene Region aussparen, keine Manipulation |
| Psychische Erkrankungen mit Berührungsempfindlichkeit | vorher besprechen, jederzeit abbrechen können |
| Nach Alkoholgenuss (leicht) | Kreislauf beobachten, sehr langsam aufstehen lassen |
| Sehr hohes Alter mit dünner Haut | sanft, kurze Dauer, Kreislauf beachten |
Örtliche Kontraindikationen — aussparen, Rest ist möglich
- Muttermale, insbesondere veränderte oder erhabene — nicht darüber arbeiten, nicht beurteilen
- Krampfadern — nicht direkt darauf, kein Druck, kein Kneten
- Offene oder nässende Hautstellen
- Frische Narben unter etwa einem halben Jahr
- Blutergüsse und Prellungen
- Warzen, Pilzbefall, Herpes
- Tätowierungen unter etwa vier Wochen
- Frisch entzündete Gelenke
- Schilddrüsenregion am vorderen Hals
- Wirbelsäule direkt auf den Dornfortsätzen
Die Gefahrenzonen — immer, bei allen
Unabhängig von der Vorgeschichte gibt es Regionen, in denen nicht mit Druck gearbeitet wird, weil dort empfindliche Strukturen oberflächlich liegen:
| Zone | Warum |
|---|---|
| Kniekehle | Gefäße und Nerven verlaufen oberflächlich |
| Achselhöhle | Nerven- und Gefäßbündel |
| Leistenregion | Gefäße, zusätzlich Intimsphäre |
| Seitlicher und vorderer Hals | Gefäße, Nerven, Schilddrüse |
| Ellenbeuge | Gefäße und Nerven |
| Nierenbereich seitlich | Organ liegt ungeschützt |
| Bauch | Organe; nur sehr sanft und mit Einverständnis |
| Direkt auf Wirbelknochen | knöcherne Strukturen, kein Nutzen |
Warnzeichen während der Massage
Manchmal zeigt sich etwas erst während der Anwendung. Dann wird abgebrochen — nicht später, sondern sofort:
- Plötzliche Blässe, kalter Schweiß
- Übelkeit oder Schwindel
- Atemnot oder Engegefühl in der Brust
- Starker, plötzlich einschießender Schmerz
- Herzrasen oder auffälliges Herzstolpern
- Ungewöhnliche Hautreaktion, Quaddeln, starkes Jucken
Was du tust: Massage beenden, zudecken, Beine hochlagern bei Kreislaufsymptomen, Wasser anbieten, bei Verdacht auf einen Notfall den Rettungsdienst rufen (112). Was du nicht tust: deuten, beruhigen im Sinne von „wird schon nichts sein“, weitermachen. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist hier Gold wert.
Wie du absagst, ohne unhöflich zu sein
Das ist der Teil, den Anfänger am meisten fürchten. Es ist leichter, als es aussieht — wenn du zwei Dinge trennst: Zuständigkeit und Beurteilung.
Bei sichtbaren Auffälligkeiten: „Das schaue ich mir bewusst nicht genauer an und beurteile es auch nicht — dafür bin ich nicht ausgebildet. Bitte lass das einmal ärztlich anschauen. Wenn du grünes Licht hast, komm sehr gern wieder.“
Bei Fieber oder Infekt: „Heute wäre das keine gute Idee — Massage belastet den Kreislauf zusätzlich. Wir verschieben, und der Termin verfällt selbstverständlich nicht.“
Bei Unsicherheit: „Ich bin mir nicht sicher, und in dem Fall mache ich es lieber nicht. Das ist meine Regel, unabhängig von der Person.“
Der wichtigste Satzbestandteil ist immer: „Ich beurteile das nicht.“ Damit erfüllst du zwei Dinge gleichzeitig — du schützt den Gast, und du bleibst auf der richtigen Seite der Grenze zur Heilkunde, siehe Heilpraktiker für Massage.
Wenn eine Kontraindikation vorliegt, wird nicht massiert. Auch wenn der Gast angereist ist, auch wenn er darauf besteht, auch wenn der Gutschein gleich verfällt. Eine Einwilligung des Gastes rechtfertigt keine Anwendung, von der du weißt oder wissen müsstest, dass sie schaden kann. Und deine Berufshaftpflicht zahlt in diesem Fall unter Umständen nicht.
Dokumentieren
Alles, was du erfragst, gehört auf den Gesundheitsfragebogen — mit Datum und Unterschrift. Und wenn du absagst, notiere es kurz und sachlich: „31.07.2026: Massage nicht durchgeführt, Gast berichtete Fieber. Auf ärztliche Abklärung verwiesen. Termin verschoben.“ Zwei Zeilen, die im Ernstfall alles sind, was zählt.
Häufige Fragen
Wann darf man gar nicht massieren?
Bei Fieber, Thrombose oder Verdacht darauf, akuten Entzündungen, frischen Operationen, ansteckenden Hauterkrankungen, akuten Herz-Kreislauf-Ereignissen und starker Alkoholisierung.
Was ist der Unterschied zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen?
Absolut heißt: gar nicht. Relativ heißt: eingeschränkt, sanfter, mit Aussparungen oder nach ärztlicher Freigabe. Örtlich heißt: nur diese Region aussparen.
Darf ich bei Krebserkrankung massieren?
Nur nach ärztlicher Freigabe, sehr sanft und unter Aussparung betroffener Regionen.
Was tue ich bei Thromboseverdacht?
Nicht massieren, nicht deuten, sofort auf ärztliche Abklärung verweisen.
Wie sage ich freundlich ab?
Klar und ohne Deutung: „Ich beurteile das nicht — bitte lass es ärztlich abklären, danach gern wieder.“
Darf ich bei Erkältung ohne Fieber massieren?
Besser nicht — wegen der Ansteckungsgefahr für dich und die folgenden Gäste, und weil eine Massage den Kreislauf zusätzlich belastet.
Was ist mit Menstruation?
Keine Kontraindikation. Bauchbereich nur nach Wunsch, sonst ganz normal — mit Rücksicht auf eventuell erhöhte Empfindlichkeit.
Quellen und Anlaufstellen
- Allgemein anerkannte Kontraindikationslisten der Massagelehre, wie sie in Ausbildung und Fachliteratur vermittelt werden
- Heilpraktikergesetz (HeilprG), § 1 — Grenze zwischen Ausschluss und Diagnose
- Strafgesetzbuch (StGB), § 229 — fahrlässige Körperverletzung
- Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser, ASB — Erste-Hilfe-Kurse
- Ärztliches Fachpersonal — für jede Beurteilung im Einzelfall
Keine medizinische Beratung. Diese Seite ist eine Orientierung für Wellnessmasseurinnen und -masseure und ersetzt weder eine Ausbildung noch ärztlichen Rat. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Beurteilung eines konkreten Gesundheitszustands ist ärztliche Aufgabe. Im Zweifel gilt immer: nicht massieren. Stand dieser Seite: 31. Juli 2026.