Welche Massageart zuerst lernen? Ein Entscheidungsbaum

Stand: 31. Juli 2026 · Erfahrungsbericht von Peter Baumann, Massageschule Baumann in Aalen · Lesezeit ca. 7 Minuten

Die Verlockung ist groß, mit der Technik anzufangen, die am spannendsten klingt. Hot Stone sieht toll aus. Lomi Lomi klingt nach Hawaii. Beides ist wunderbar — nur eben nicht als Erstes.

Kurzantwort

In neun von zehn Fällen: klassische Wellnessmassage. Sie ist die Grundlage aller anderen Techniken, liefert einen vollständigen Ganzkörperablauf, wird am häufigsten gebucht und vermittelt die Handhaltung, auf der alles Weitere aufbaut. Die Ausnahmen: Wer eine sehr spezielle Zielgruppe hat oder körperliche Einschränkungen an den Händen, kann anders einsteigen.

Der Entscheidungsbaum

Frage 1: Hast du schon einen sicheren Ganzkörperablauf?

Nein → Klassische Wellnessmassage. Hier endet der Baum für die meisten Menschen.
Ja → weiter zu Frage 2.

Frage 2: Was ist dein Ziel?

ZielEmpfehlung
Höhere Preise pro TerminHot Stone oder Lomi Lomi
Kurze Termine, viele KundenFußreflexzonenmassage
Deine Hände schonenLomi Lomi (Unterarme) oder Hot Stone
Unverwechselbar werdenLomi Lomi oder Ayurvedische Massagen
Firmenkunden gewinnenStuhlmassage, siehe Stuhlmassage im Büro
Ergänzung mit wenig AufwandSchröpfmassage
Paare und GeschenkePaarmassage

Warum die Wellnessmassage der richtige Anfang ist

  • Sie ist die Grundlage. Ausstreichungen, Knetungen, Zirkelungen, Reibungen — diese Bewegungen tauchen in jeder anderen Technik wieder auf.
  • Sie deckt den ganzen Körper ab. Du lernst den vollständigen Ablauf: Rücken, Beine, Arme, Nacken, Umdrehen, Abdecken.
  • Sie ist am gefragtesten. Der überwiegende Teil aller Buchungen ist „einfach eine gute Rückenmassage“.
  • Sie braucht die geringste Ausstattung. Liege, Öl, Wäsche. Kein Steinofen, keine Gläser.
  • Sie ist übungsfreundlich. Du findest sofort Übungspartner, weil jeder eine Wellnessmassage will.
  • Sie ist die Basis für die Preisstruktur. Alles andere kannst du später als höherwertiges Angebot darauf aufsetzen.
Der Fehler, den ich am häufigsten sehe

Jemand bucht als ersten Kurs Hot Stone, weil es besonders klingt. Nach dem Kurs kann er Steine legen — aber nicht massieren. Und weil Hot Stone immer auch klassische Griffe enthält, merkt man das sofort. Das Ergebnis: eine spektakuläre Anwendung, die sich schlechter anfühlt als eine einfache gute Rückenmassage.

Die Techniken im Steckbrief

TechnikTypische DauerHandbelastungAusstattungAls Erstes?
Klassische Wellnessmassage60 – 90 minmittelgeringja
Hot Stone75 – 90 mingeringSteinofen, Steinenein
Lomi Lomi Nui90 – 120 mingeringviel Öl, große Liegenein
Fußreflexzonenmassage30 – 45 minhoch, punktuellsehr geringmöglich
Schröpfmassage20 – 40 mingeringGläser, Ölnein
Abhyanga60 – 90 mingeringsehr viel Ölnein
Kräuterstempel60 – 75 mingeringStempel, Dämpfernein
Stuhl-/Bürostuhlmassage15 – 25 minmittelMassagestuhlmöglich

Die zwei legitimen Ausnahmen

Ausnahme 1: Empfindliche Hände

Wenn Daumen oder Handgelenke Probleme machen, ist der Einstieg über Lomi Lomi denkbar. Dort wird überwiegend mit den Unterarmen gearbeitet, großflächig und fließend. Der Nachteil: Du lernst keinen klassischen Ablauf und kannst kurze Rückenmassagen zunächst nicht anbieten. Der Vorteil: Du kannst überhaupt arbeiten. Kläre das vorher ärztlich, siehe auch Ergonomie.

Ausnahme 2: Klar definierte Nische

Wenn du bereits weißt, dass du nur Firmen bedienen willst, kann Stuhlmassage der direkte Einstieg sein — kurze Einheiten, bekleidet, kein Öl, kein Raum nötig. Wer bereits mit Füßen arbeitet, etwa in der Fußpflege, kann sinnvoll mit Fußreflexzonenmassage beginnen.

Die zweite und dritte Technik

Nach etwa dreißig geübten Wellnessmassagen ist die Zeit für Technik zwei. Zwei Kriterien helfen bei der Wahl:

  • Was fehlt in deinem Umkreis? Schau dir an, was die zehn nächsten Anbieter listen. Was niemand hat, ist deine Chance.
  • Was passt zu deinen Händen? Wer schon nach zwei Wellnessmassagen müde Daumen hat, sollte in Richtung Unterarm-Techniken gehen.

Die vollständige Empfehlung mit Reihenfolge steht in Sinnvolle Kurs-Reihenfolge.

Wie viele Angebote sind sinnvoll?

Drei bis vier. Nicht mehr. Wer sieben Anwendungen listet, überfordert Kunden bei der Auswahl und schafft es selbst nicht, alle regelmäßig genug zu üben. Eine Preisliste mit drei klaren Angeboten verkauft messbar besser als eine mit acht.

Häufige Fragen

Welche Massage sollte man zuerst lernen?

In der Regel die klassische Wellnessmassage — sie ist die Grundlage aller weiteren Techniken.

Kann ich direkt mit Hot Stone oder Lomi Lomi einsteigen?

Möglich, aber selten sinnvoll. Ohne sicheren Grundablauf lernst du eine Choreografie statt einer Massage.

Welche Technik schont die Hände am meisten?

Lomi Lomi und Hot Stone, weil Unterarme beziehungsweise Steine den Großteil der Arbeit übernehmen.

Welche verkauft sich am besten?

Die klassische Wellnessmassage nach Menge, Hot Stone und Lomi Lomi nach Preis pro Termin.

Wie viele Techniken sollte ich anbieten?

Am Anfang eine, nach einem Jahr zwei bis drei, dauerhaft höchstens vier.

Muss ich für jede Technik einen eigenen Kurs machen?

Wenn du sie gewerblich anbietest: ja. Versicherer fragen im Schadensfall danach, ob die konkrete Technik von deiner Ausbildung gedeckt war.

Was ist mit Sportmassage?

Sportmassage bewegt sich sprachlich nah an der Behandlung. Für Wellnessanbieter ist der Begriff heikel — siehe Was ein Wellnessmasseur darf.

Quellen und Anlaufstellen

  • Eigene Erfahrungen aus dreizehn Jahren Kursleitung und Praxis, Massageschule Baumann
  • Heilpraktikergesetz (HeilprG), § 1 — für die Einordnung einzelner Techniken
  • Eigene Berufshaftpflicht — für die Frage, welche Techniken mitversichert sind

Hinweis in eigener Sache. Diese Seite stammt von einem Anbieter der genannten Kurse. Die Einschätzungen beruhen auf Unterrichts- und Praxiserfahrung. Stand dieser Seite: 31. Juli 2026.

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