Kissen, Rollen, Lagerungshilfen: klein, billig, wirkungsvoll

Stand: 5. August 2026 · Erfahrungsbericht von Peter Baumann, Massageschule Baumann in Aalen · Lesezeit ca. 8 Minuten

Wenn ich einen einzigen Tipp geben dürfte, um eine Massage spürbar besser zu machen, wäre es nicht ein Griff und keine Technik. Es wäre eine Rolle unter den Knien. Lagerungshilfen sind das billigste Zubehör überhaupt und wirken stärker als alles, was man in einem Wochenendkurs an Handgriffen dazulernt.

Kurzantwort

Kauf zuerst eine große Knierolle und ein flaches Nackenkissen — damit entlastest du Bauch- und Rückenlage. Danach Fußrolle, Keil, flaches Bauchkissen und zwei große Kissen für die Seitenlage. Der Grund: Ein Körper, der unbequem liegt, spannt dauerhaft gegen — und dann arbeitest du gegen deine eigene Massage. Beim Hausbesuch tun es fest gerollte Handtücher.

Warum die Lagerung mehr bringt als jede Grifftechnik

Der Zusammenhang ist einfach, wird aber selten so deutlich ausgesprochen: Muskulatur, die eine Position halten oder eine unbequeme Stellung ausgleichen muss, ist aktiv. Sie kann nicht loslassen, weil sie gerade gebraucht wird. Wenn jemand in Rückenlage mit gestreckten Beinen liegt und ein ausgeprägtes Hohlkreuz hat, arbeitet die Lendenmuskulatur die ganze Zeit. Du kannst sie kneten, so lange du willst — sie bleibt in Bereitschaft.

Legst du eine Rolle unter die Kniekehlen, kippt das Becken zurück, die Lendenwirbelsäule nähert sich der Liege, und die Muskulatur bekommt zum ersten Mal seit dem Hinlegen die Erlaubnis, nichts zu tun. Das dauert keine dreißig Sekunden und verändert die gesamte Massage. Wer das einmal bei sich selbst gespürt hat, schafft die Rolle noch am selben Tag an.

Der zweite Vorteil ist deiner: Ein Gast, der bequem liegt, bewegt sich nicht, rutscht nicht und muss nicht umgelagert werden. Du kannst durcharbeiten und behältst deine eigene Haltung. Zum Zusammenspiel mit deiner Arbeitshöhe und Standposition steht mehr in Ergonomie am Massagetisch.

Die Grundausstattung

HilfsmittelPositionWas es bewirkt
Große KnierolleRückenlage, unter den KniekehlenKnie leicht gebeugt, Becken kippt zurück, Lendenwirbelsäule entlastet
Kleine FußrolleBauchlage, unter den FußgelenkenFüße nicht überstreckt, Waden und Sprunggelenke entlastet
Flaches NackenkissenRückenlage, unter dem KopfHalswirbelsäule in Länge, Schultern können absinken
Flaches BauchkissenBauchlage, oberhalb des Beckensnimmt die Spitze aus einem ausgeprägten Hohlkreuz
KeilRückenlage, unter Oberkörper oder Oberschenkelnhalbaufrechte Position, wenn flaches Liegen unangenehm ist
Großes festes KissenSeitenlage, zwischen den Beinenoberes Bein kippt nicht nach vorn, Becken bleibt gerade
Zweites großes KissenSeitenlage, vor dem BauchAblage für den oberen Arm, stabilisiert den Oberkörper
Kopfstütze der LiegeBauchlageKopf gerade statt gedreht — die wichtigste Entlastung überhaupt

Das ist die komplette Liste. Mehr braucht kein Wellnessbetrieb. Wenn du eine Liege neu anschaffst, achte gleich darauf, welche Kopfstütze dabei ist und ob sie verstellbar ist — das ist ein Auswahlkriterium, das viele übersehen, siehe Massageliege kaufen.

Bauchlage entlasten

Die Bauchlage ist die anspruchsvollste Position, weil gleich drei Stellen unter Zug geraten.

  • Lendenwirbelsäule. Wer im Stehen ein deutliches Hohlkreuz hat, hat es liegend erst recht. Ein flaches Kissen unter dem Bauch, oberhalb des Beckens, nimmt die Spitze heraus. Flach ist wichtig: Ein dickes Kissen kippt das Becken zu weit und erzeugt ein neues Problem.
  • Fußgelenke. Ohne Rolle stehen die Füße überstreckt auf der Liege, und die Wadenmuskulatur bleibt aktiv. Eine kleine Rolle unter den Sprunggelenken löst das komplett.
  • Nacken. Der Kopf gehört in die Kopfstütze, nicht seitlich gedreht auf die Liege. Eine Kopfdrehung über eine Stunde ist für viele Menschen die eigentliche Ursache dafür, dass sie nach der Massage einen steifen Nacken haben. Wenn die Kopfstütze drückt, hilft ein dünnes gefaltetes Tuch als Auflage.
Die Frage, die ich immer stelle

Nachdem der Gast liegt und ich zugedeckt habe, frage ich einmal: „Liegen Sie so wirklich bequem — oder gibt es irgendwo etwas, das drückt oder zieht?“ Nicht „ist alles gut?“, sondern die konkrete Version.

Die Antwort kommt in etwa jedem dritten Fall und ist fast immer eine Kleinigkeit: der Nacken, ein Fuß, die Kopfstütze. Dreißig Sekunden Korrektur am Anfang sparen sechzig Minuten Gegenspannung. Wer diese Frage weglässt, merkt erst nach der Behandlung an der Rückmeldung, dass etwas nicht gepasst hat.

Rückenlage entlasten

Hier sind es zwei Punkte. Die Knierolle ist der große Hebel: Die leicht gebeugten Knie nehmen den Zug aus der Lendenwirbelsäule. Sie gehört unter die Kniekehlen, nicht unter die Waden — sonst hängen die Knie in der Luft und es entsteht Zug im Gelenk statt Entlastung.

Der zweite Punkt ist der Kopf, und hier ist der häufigste Fehler ein zu hohes Kissen. Ein dickes Kopfkissen schiebt das Kinn Richtung Brustbein und spannt genau die Nackenmuskulatur an, die du gleich behandeln willst. Flach ist richtig. Wenn jemand ausgeprägt rundrückig ist oder eine stark nach vorn geneigte Kopfhaltung hat, braucht er allerdings mehr Höhe, sonst zieht der Kopf nach hinten — dann lieber ein zweites flaches Kissen dazu als ein dickes einzelnes, weil du damit feiner justieren kannst.

Der Keil ist die Reserve für alle, die flach nicht liegen können oder wollen: bei Atembeschwerden, bei Reflux, bei Unruhe, bei Menschen, die sich flach ausgeliefert fühlen. Eine halbaufrechte Lagerung ist eine vollwertige Arbeitsposition, keine Notlösung.

Seitenlage aufbauen

Die Seitenlage ist die unterschätzteste Position überhaupt, und sie braucht am meisten Material. Der Aufbau von unten nach oben:

  1. Kopf: ein festes Kissen, hoch genug, dass die Halswirbelsäule in einer Linie mit der Brustwirbelsäule bleibt. Bei breiten Schultern braucht es mehr Höhe als man denkt.
  2. Beine: ein großes festes Kissen zwischen die Knie und möglichst bis zu den Sprunggelenken. Ohne dieses Kissen kippt das obere Bein nach vorn und verdreht das Becken.
  3. Arm und Oberkörper: ein Kissen vor dem Bauch zum Umarmen. Das gibt dem oberen Arm eine Ablage und verhindert, dass der Oberkörper nach vorn einrollt.
  4. Rücken: bei Bedarf eine Stütze oder ein zusammengerolltes Handtuch, damit der Körper nicht nach hinten wegrollt.

Was in dieser Position gut geht und wie sich der Ablauf ändert, steht ausführlich in Massage in Seitenlage.

Sonderfälle

Es gibt drei Gruppen, bei denen die Lagerung nicht nur bequemer, sondern zur eigentlichen fachlichen Frage wird.

Schwangerschaft. Bauchlage scheidet ab einem gewissen Punkt aus, flaches Rückenliegen wird oft ebenfalls unangenehm. Die Seitenlage mit großzügiger Abstützung wird zur Standardposition — und der Materialbedarf ist entsprechend höher als bei allen anderen Gästen. Alles Weitere in Massage in der Schwangerschaft.

Starkes Übergewicht. Bauchlage kann die Atmung erschweren, flache Rückenlage ebenfalls. Halbaufrechte Lagerung mit Keil und Seitenlage mit stabilen, formfesten Kissen sind hier die tragenden Positionen — weiche Kissen sacken unter höherem Gewicht durch und helfen nicht. Siehe Massage bei starkem Übergewicht.

Ältere Menschen. Eingeschränkte Beweglichkeit, versteifte Gelenke und Rundrücken machen manche Positionen unmöglich. Wichtiger als die perfekte Position ist hier, dass der Positionswechsel selbst leicht bleibt — also weniger Wechsel und mehr Stützmaterial. Mehr dazu in Massage bei älteren Menschen.

Wo Lagerung aufhört und Abklärung anfängt

Lagerungshilfen machen eine Position bequemer. Sie sind kein Mittel gegen Beschwerden und keine Behandlung.

Wenn ein Gast trotz sorgfältiger Anpassung keine Position findet, in der er schmerzfrei liegen kann, wenn beim Hinlegen oder Aufstehen Schmerzen auftreten, wenn Taubheitsgefühle oder Kribbeln entstehen oder wenn jemand über Atemnot im Liegen berichtet, wird nicht weiter improvisiert. Dann gehört die Ursache in ärztliche Abklärung, und die Massage findet an diesem Tag nicht statt. Das ist keine Übervorsicht, sondern der Bereich, der schlicht nicht deine Zuständigkeit ist.

Material, Bezüge und Hygiene

KriteriumWorauf es ankommt
Schaumformstabil — darf unter Gewicht nicht durchsacken und muss die Form zurückbekommen
Grundbezugabwischbares Kunstleder, damit die Fläche desinfiziert werden kann
Überzugzusätzlicher waschbarer Stoffbezug, abnehmbar, pro Gast gewechselt
Nähtemöglichst wenige und glatte — Nähte sind die Stelle, an der Öl eindringt
Größelieber eine große Knierolle als zwei kleine; kleine Rollen wandern beim Massieren
Gewichtbei mobiler Arbeit entscheidend — leichte, formfeste Teile bevorzugen
Farbepassend zur Liege, sonst wirkt der Raum zusammengewürfelt

Die Kombination aus abwischbarem Grundbezug und waschbarem Überzug ist der praktikable Weg: Der Überzug geht nach jedem Gast in die Wäsche, die Kunstlederfläche wird wie jede andere Kontaktfläche gereinigt und desinfiziert. Was das für den Wäschebedarf bedeutet, steht in Handtücher und Wäsche. Öl ist dabei der eigentliche Gegner — es zieht in Stoff und in Nähte ein, und ein Kissen, das ölig riecht, ist nicht mehr zu retten. Deshalb: Überzug immer drauf, auch wenn es schnell gehen soll.

Improvisieren beim Hausbesuch

Beim Hausbesuch zählt jedes Teil, das man nicht schleppen muss. Und für vieles reichen Handtücher.

Zwei bis drei große Frotteetücher, straff gerollt und mit einem vierten Tuch fest umwickelt, ergeben eine brauchbare Knierolle. Ein einzelnes gerolltes Handtuch ersetzt die Fußrolle, ein gefaltetes das flache Nackenkissen. Das Entscheidende ist die Festigkeit: Eine locker gerollte Rolle sackt nach zehn Minuten zusammen, und die Entlastung ist weg, ohne dass es jemand merkt. Fest rollen, fest umwickeln.

Was ich trotzdem mitnehme, weil es sich nicht ersetzen lässt: ein großes Kissen für die Seitenlage. Und: Ich verwende immer eigene Wäsche, nie die Handtücher des Gastes — das ist eine Hygienefrage und eine Frage der Professionalität. Rechne den zusätzlichen Wäschebedarf für die Improvisation von Anfang an mit ein, sonst fehlt beim zweiten Hausbesuch am selben Tag das Material.

Was du wirklich zuerst kaufst

In dieser Reihenfolge: große Knierolle, flaches Nackenkissen, kleine Fußrolle. Diese drei decken die beiden Standardpositionen ab und sind zusammen der kleinste Posten deiner gesamten Ausstattung — gemessen an dem, was sie verändern, der mit Abstand beste Einsatz.

Danach richtet es sich nach deinen Gästen. Wenn du Schwangere oder Menschen mit starkem Übergewicht behandelst, kommen zuerst die großen Seitenlagekissen. Wenn du viele ältere Gäste hast, zuerst der Keil. Und wenn du unsicher bist: Warte ab, was dir in den ersten Wochen tatsächlich fehlt. Das ist ein besserer Ratgeber als jede Liste — auch meine.

Häufige Fragen

Welche Lagerungshilfen brauche ich als Erstes?

Eine große Knierolle und ein flaches Nackenkissen. Damit entlastest du Bauch- und Rückenlage. Alles Weitere richtet sich danach, welche Gäste du tatsächlich hast.

Warum ist die Lagerung wichtiger als die Grifftechnik?

Weil ein Körper, der unbequem liegt, dauerhaft gegenspannt. Du massierst dann gegen eine Muskulatur, die aus Haltungsgründen aktiv bleibt.

Wohin kommt die Rolle in Bauchlage?

Unter die Fußgelenke. Zusätzlich hilft ein flaches Kissen unter dem Bauch oberhalb des Beckens bei ausgeprägtem Hohlkreuz. Der Kopf gehört in die Kopfstütze, nicht seitlich gedreht.

Wohin kommt die Rolle in Rückenlage?

Unter die Kniekehlen, nicht unter die Waden. Dazu ein flaches Kissen unter dem Kopf — ein zu hohes schiebt das Kinn Richtung Brustbein und spannt den Nacken.

Wie baue ich die Seitenlage auf?

Festes Kissen unter dem Kopf, großes Kissen zwischen die Beine, Kissen vor dem Bauch zum Umarmen, bei Bedarf eine Stütze im Rücken.

Welche Materialien und Bezüge sind sinnvoll?

Formstabiler Schaum mit abwischbarem Kunstlederbezug und zusätzlichem waschbarem Überzug. Der Überzug wird pro Gast gewechselt, die Kunstlederfläche desinfiziert.

Wie improvisiere ich beim Hausbesuch?

Mit fest gerollten Handtüchern. Entscheidend ist die Festigkeit — eine lockere Rolle sackt zusammen und die Entlastung ist weg. Immer eigene Wäsche verwenden.

Gibt es Situationen, in denen Lagerung nicht ausreicht?

Ja. In der Schwangerschaft, bei starkem Übergewicht und bei eingeschränkter Beweglichkeit ist oft die Seitenlage die bessere Grundposition. Bleibt eine Position trotz Anpassung unbequem oder treten Beschwerden auf, gehört die Ursache ärztlich abgeklärt.

Quellen und Anlaufstellen

  • Eigene Praxis- und Unterrichtserfahrung seit 2012, Massageschule Baumann
  • Herstellerangaben zu Lagerungshilfen und Liegen — Belastbarkeit, Materialpflege und Bezugsverträglichkeit sind produktspezifisch
  • Herstellerangaben zu Reinigungs- und Desinfektionsmitteln — Einwirkzeit und Materialverträglichkeit stehen auf dem Etikett
  • Berufsgenossenschaft (BGW) — Hinweise zu Belastungen und Arbeitsweisen in körpernahen Berufen
  • Zuständiges Gesundheitsamt — für Fragen zur Aufbereitung von Bezügen und Kontaktflächen

Erfahrungsbericht, keine medizinische Beratung. Die beschriebenen Lagerungen sind praktische Orientierung aus der Wellnessmassage und keine therapeutische Anleitung. Bei Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Atembeschwerden im Liegen gehört der Gast in ärztliche Abklärung — dann wird nicht massiert. Angaben zu Materialpflege und Einwirkzeiten macht verbindlich der jeweilige Hersteller auf dem Etikett; für Hygieneanforderungen ist das zuständige Gesundheitsamt die richtige Auskunftsstelle. Stand dieser Seite: 5. August 2026.

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