Schröpfgläser: Auswahl, Reinigung, Sicherheit

Stand: 5. August 2026 · Erfahrungsbericht von Peter Baumann, Massageschule Baumann in Aalen · Lesezeit ca. 8 Minuten

Schröpfen ist die Anwendung mit der günstigsten Ausstattung und dem größten Respektbedarf. Ein paar Gläser, ein Öl, fertig — und trotzdem entscheidet die Materialwahl darüber, wie sicher du arbeitest und wie lange die Gläser halten. Hier steht, was ich benutze und warum.

Kurzantwort

Silikonglocken und Kunststoffgläser mit Handpumpe sind für den Wellnessbereich die richtige Wahl: sicher, unzerbrechlich, gut dosierbar. Feuerschröpfen ist für Einsteiger nicht geeignet. Aufbereitung immer in der Reihenfolge reinigen, desinfizieren, trocknen — Einwirkzeit laut Etikett. Bei Silikon auf Materialverträglichkeit achten. Die kreisrunden Verfärbungen gehören ins Vorgespräch, nicht in die Nachbesprechung. Blutiges Schröpfen ist Heilkunde und tabu — Einzelheiten in den Schröpf-Grundlagen.

Die drei Bauarten

Man kann Schröpfen mit sehr unterschiedlichem Gerät machen, und die Entscheidung fällt weniger nach Geschmack als nach Einsatzzweck.

BauartVorteileNachteile
Silikonglocken zum Zusammendrückenunzerbrechlich, verformen sich mit dem Körper, ideal für die Schröpfmassage, kein Zubehör nötig, leicht im TransportUnterdruck nur grob dosierbar, Material nimmt Öl auf, altert sichtbar
Kunststoffgläser mit HandpumpeUnterdruck fein dosierbar und wiederholbar, gut für Standanwendungen, unzerbrechlich, leichtPumpe und Ventil sind Verschleißteile, starr — folgt Körperrundungen schlechter
Glasgläser mit GummiballGlas ist chemisch unempfindlich, gut zu kontrollieren, langlebigzerbrechlich, schwerer, Gummiball altert, Dosierung braucht Übung
Feuerschröpfgläser aus Glasklassische Technik, gleichmäßiger Sogoffene Flamme, Alkohol, heißes Glas — Verbrennungsrisiko, Unterdruck nicht dosierbar

Meine Empfehlung für den Start: ein paar Silikonglocken für die Massagevariante und ein kleines Set Kunststoffgläser mit Pumpe für Standanwendungen. Damit deckst du praktisch alles ab, was im Wellnessbereich sinnvoll ist.

Warum ich Feuerschröpfen für Einsteiger ablehne

Beim Feuerschröpfen wird die Luft im Glas mit einer Flamme erwärmt; beim Abkühlen entsteht der Unterdruck. Das bedeutet dreierlei. Erstens: Der Sog lässt sich nicht dosieren — er ergibt sich aus Physik, nicht aus deiner Hand. Zweitens: Offene Flamme und Alkohol arbeiten direkt neben unbedeckter Haut, oft in einem Raum mit Öl, Tüchern und Kerzen. Drittens: Der Glasrand wird heiß.

Silikon und Kunststoff erreichen dasselbe Ziel mit einem Bruchteil des Risikos und mit besserer Kontrolle. Es gibt keinen fachlichen Grund, als Einsteiger mit Feuer anzufangen — und im Schadensfall müsstest du erklären, warum du die riskantere Variante gewählt hast.

Wie viele Gläser brauche ich?

Weniger, als die Sets vermuten lassen. Für die Schröpfmassage arbeitest du mit einer Hand, also mit einem Glas — ein zweites in derselben Größe ist trotzdem sinnvoll, weil du beim Wechsel nicht warten willst, bis das erste gereinigt ist. Für Standanwendungen auf dem Rücken brauchst du mehr, aber auch dort ist die Zahl überschaubar; sie richtet sich danach, wie viele Positionen du gleichzeitig setzt.

Mein Rat für den Anfang: eine Handvoll Silikonglocken in zwei Größen und ein kleines Pumpenset. Das reicht für alles, was in einer Wellnessbehandlung vorkommt. Große Sammlungen entstehen später von selbst — und genau dann merkt man, dass immer dieselben drei Gläser im Einsatz sind. Wer mobil arbeitet, ist ohnehin froh über wenig Gepäck, und Silikon ist dabei der klare Vorteil: leicht, unzerbrechlich, stapelbar.

Größen und wofür man sie einsetzt

Ein großes Sortiment braucht niemand. Drei Größenklassen reichen für alles, was im Wellnessbereich vorkommt:

  • Große Gläser für flächige Bereiche mit ordentlicher Weichteildeckung: mittlerer und unterer Rücken, Gesäß, Oberschenkel hinten.
  • Mittlere Gläser sind die Arbeitspferde für die Schröpfmassage — sie gleiten gut und erzeugen einen gleichmäßigen Zug.
  • Kleine Gläser für Nacken, Schulterbereich und überall dort, wo weniger Gewebe unter der Haut liegt.

Der häufigste Anfängerfehler bei der Größenwahl: ein großes Glas auf einer kleinen oder unebenen Fläche. Dann sitzt der Rand nicht rundum auf, der Sog verteilt sich ungleichmäßig und die Belastung konzentriert sich auf wenige Millimeter Haut. Lieber ein kleineres Glas nehmen, das vollständig aufliegt.

Das Gleitmittel für die Schröpfmassage

Die Massagevariante lebt vom Öl. Zu wenig, und das Glas zieht an der Haut statt zu gleiten — das ist unangenehm und erzeugt genau die punktuellen Belastungen, die man vermeiden will. Zu viel, und der Unterdruck hält nicht, das Glas rutscht ab.

Was ich nehme: ein Öl mit ausreichend Standzeit, das nicht sofort einzieht. Sehr dünnflüssige Öle sind hier ungünstig, ebenso alles, was stark klebt. Welche Öle sich generell eignen und was bei Hautverträglichkeit zu beachten ist, steht in Massageöl richtig wählen. Rechne mit einem höheren Verbrauch als bei klassischer Massage — und damit, dass die Ölreste die spätere Aufbereitung erschweren. Das ist kein Nebensatz, sondern der Kern des nächsten Abschnitts.

Reinigung und Desinfektion

Schröpfgläser haben direkten Hautkontakt und werden an mehreren Gästen eingesetzt. Damit sind sie Mehrwegzubehör, das aufbereitet werden muss — und bei einer Hygienekontrolle wird genau danach gefragt.

Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar:

  1. Reinigen. Warmes Wasser und Reiniger, Ölreste vollständig entfernen — innen, außen und am Rand.
  2. Desinfizieren. Mit einem Mittel, das für das Material freigegeben ist. Die Einwirkzeit steht auf dem Etikett, und sie ist die verbindliche Angabe — nicht das Gefühl, dass es „jetzt lange genug“ war.
  3. Trocknen lassen. Vollständig, an der Luft, nicht feucht wegräumen. Restfeuchte in einer geschlossenen Box ist der Anfang neuer Probleme.

Der Grund für die Reihenfolge: Ein Desinfektionsmittel wirkt nicht durch einen Ölfilm hindurch. Wer direkt desinfiziert, ohne vorher zu entfetten, hat eine Desinfektion durchgeführt, die keine ist. Was sonst noch in einen Hygieneplan gehört und was das Gesundheitsamt sehen will, steht in Hygiene und Gesundheitsamt.

MaterialBesonderheit bei der AufbereitungAlterungszeichen
Silikonweich und ölaufnehmend; Materialverträglichkeit des Desinfektionsmittels prüfen, manche Mittel lassen Silikon quellen oder versprödenklebrig, verhärtet, verfärbt, verliert die Rückstellkraft
Kunststoffchemisch empfindlicher als Glas; alkoholhaltige Mittel können die Oberfläche mattieren oder Spannungsrisse erzeugendauerhaft trüb, feine Risse, Rand nicht mehr glatt
Glaschemisch unempfindlich, gut zu kontrollieren; Bruchgefahr beachtenSprünge, abgesplitterte Ränder, blinde Stellen
Pumpen, Ventile, Gummibällezerlegen, wo möglich; Ölreste sammeln sich an Dichtungenhält den Unterdruck nicht mehr, Gummi wird hart oder klebrig

Aussortieren ist kein Zeichen von Verschwendung, sondern von Sorgfalt. Ein Glas mit rauem oder abgesplittertem Rand verletzt die Haut, ein verhärtetes Silikonglas dosiert nicht mehr, und ein trübes Glas lässt sich nicht mehr auf Sauberkeit prüfen. Ich schaue die Gläser regelmäßig durch und trenne mich ohne Diskussion von allem, was nicht mehr einwandfrei ist. Deine eigenen Hände profitieren übrigens auch von sauberem Arbeiten — dazu Hände pflegen als Masseur.

Sicherheit in der Anwendung

Das Gerät ist harmlos, die Anwendung nicht automatisch. Drei Stellschrauben entscheiden:

  • Unterdruck dosieren. Wenig beginnen, Rückmeldung abwarten, erst dann steigern. Ziehen darf es, wehtun nicht. Wenn es schmerzt, ist der Sog zu hoch — nicht der Gast zu empfindlich.
  • Zeit begrenzen. Im Wellnessbereich sind kurze Verweildauern pro Position üblich. Ein Glas, das man vergisst, weil man am anderen Ende arbeitet, ist der klassische Weg zu einer viel stärkeren Verfärbung als beabsichtigt.
  • Sauber lösen. Glas seitlich anheben oder das Ventil öffnen, niemals abziehen. Bei Silikon reicht ein leichtes Eindrücken am Rand.
Wo ich gar nicht schröpfe

Über Knochenvorsprüngen ohne Weichteilpolster, über Muttermalen, Narben, Tätowierungen und Krampfadern, auf verletzter, entzündeter oder gereizter Haut, im Gesicht und am Hals, in der Kniekehle und der Leiste, direkt auf der Wirbelsäule und über dem Nierenbereich mit starkem Sog.

Und nicht bei Menschen mit Gerinnungsstörungen oder blutverdünnenden Medikamenten, bei Thromboseneigung, in der Schwangerschaft und bei sehr dünner Haut im hohen Alter. Das steht so auch in den allgemeinen Kontraindikationen — beim Schröpfen wiegt es schwerer, weil der Unterdruck gezielt Gewebe belastet.

Die Verfärbungen gehören ins Vorgespräch

Durch den Unterdruck entstehen kreisrunde Blutergüsse. Das ist technikbedingt und normal, aber es ist auch das, was der Gast am Abend im Spiegel sieht. Wer darüber erst hinterher spricht, hat keine wirksame Einwilligung eingeholt.

Ich sage vorher immer denselben Satz mit: „Es entstehen runde Verfärbungen, die ein bis zwei Wochen sichtbar bleiben können. Wenn Sie in den nächsten Tagen ins Schwimmbad gehen, ein Fotoshooting haben oder etwas Rückenfreies tragen wollen, machen wir das heute besser nicht.“ Und ich lasse das schriftlich bestätigen. Die ausführliche Fassung samt Formulierungsvorschlag steht in den Schröpf-Grundlagen.

Die rechtliche Grenze

Kurz und ohne Umschweife, weil es der Punkt ist, an dem es ernst wird: Sobald die Haut verletzt wird, ist es keine Wellnessanwendung mehr. Blutiges Schröpfen — also Schröpfen nach vorherigem Ritzen oder Stechen — ist ein invasives Verfahren und damit Heilkunde. Es setzt eine entsprechende Erlaubnis voraus, löst zusätzliche Anforderungen des Infektionsschutzes aus und ist für Wellnessanbieter ausgeschlossen. Kein Kurs, kein Zertifikat und keine Nachfrage eines Gastes ändert daran etwas.

Genauso wichtig ist die sprachliche Grenze: Die Technik darfst du anwenden, die überlieferten Wirkbehauptungen darfst du nicht übernehmen. Was das im Detail bedeutet und wann eine Heilpraktikererlaubnis ins Spiel kommt, steht in Heilpraktiker für Massage. Ich wiederhole das hier bewusst nicht ausführlich — die Grundlagenseite behandelt es vollständig.

Häufige Fragen

Welche Schröpfgläser eignen sich für Einsteiger?

Silikonglocken und Kunststoffgläser mit Handpumpe. Silikon ist ideal für die Schröpfmassage, Kunststoff mit Pumpe erlaubt eine feinere Dosierung im Stand.

Warum ist Feuerschröpfen für Einsteiger ungeeignet?

Weil offene Flamme, Alkohol und heißes Glas neben unbedeckter Haut zusammenkommen und der Unterdruck sich nicht dosieren lässt. Silikon und Kunststoff erreichen dasselbe ohne dieses Risiko.

Welche Größen brauche ich?

Groß für flächige Bereiche, mittel als Arbeitsgröße für die Schröpfmassage, klein für Nacken und Bereiche mit wenig Weichteildeckung. Große Gläser auf kleinen Flächen erzeugen ungleichmäßigen Zug.

Welches Gleitmittel nehme ich für die Schröpfmassage?

Ein Öl, das nicht zu schnell einzieht. Zu wenig Öl bedeutet Ziehen statt Gleiten, zu viel Öl bedeutet, dass der Unterdruck nicht hält. Der Verbrauch liegt höher als bei klassischer Massage.

Wie werden Schröpfgläser gereinigt und desinfiziert?

Erst Ölreste entfernen, dann desinfizieren, dann vollständig trocknen lassen. Ein Mittel wirkt nicht durch einen Ölfilm hindurch. Konzentration und Einwirkzeit stehen auf dem Etikett.

Warum wird Silikon anders behandelt als Glas?

Silikon nimmt Öl auf und reagiert empfindlicher auf manche Mittel — es kann quellen, verspröden oder klebrig werden. Glas ist chemisch unempfindlich. Auf die Materialverträglichkeit laut Hersteller achten.

Wann sortiere ich ein Schröpfglas aus?

Bei Rissen, abgesplitterten Rändern, dauerhafter Trübung, klebriger Oberfläche, verhärtetem Silikon und bei Pumpen, die den Unterdruck nicht mehr halten.

Darf ich als Wellnessmasseur blutig schröpfen?

Nein. Sobald die Haut verletzt wird, ist es Heilkunde und setzt eine entsprechende Erlaubnis voraus. Trockenes Schröpfen und die Schröpfmassage sind ohne Wirkversprechen möglich.

Quellen und Anlaufstellen

  • Eigene Praxis- und Unterrichtserfahrung mit Schröpfanwendungen, Massageschule Baumann
  • Herstellerangaben zu Schröpfgläsern — Materialangaben und Pflegehinweise sind produktspezifisch
  • Herstellerangaben zu Reinigungs- und Desinfektionsmitteln — Konzentration, Einwirkzeit und Materialverträglichkeit stehen auf dem Etikett
  • Heilpraktikergesetz (HeilprG), § 1 — invasive Verfahren als Heilkunde
  • Infektionsschutzgesetz (IfSG) und Landeshygieneverordnungen — Aufbereitung von Mehrwegzubehör
  • Zuständiges Gesundheitsamt — für Fragen zur Aufbereitung von Schröpfgläsern

Keine medizinische oder rechtliche Beratung. Diese Seite beschreibt Ausstattung und Pflege für die Wellnessanwendung und ersetzt keinen Kurs. Zu blutigem Schröpfen und zu therapeutischen Anwendungen macht sie bewusst keine Angaben. Zeitangaben sind grobe Orientierung; verbindlich sind die Angaben der Produkthersteller, insbesondere Konzentration und Einwirkzeit laut Etikett des Desinfektionsmittels. Für Hygieneanforderungen ist das zuständige Gesundheitsamt die richtige Auskunftsstelle. Bei gesundheitlichen Beschwerden gehört der Gast in ärztliche Abklärung. Stand dieser Seite: 5. August 2026.

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