Was vom Massagepreis am Ende übrig bleibt
Der Preis auf der Preisliste ist nicht das, was du verdienst. Zwischen beiden liegt eine Rechnung, die kaum jemand aufmacht — weil sie unangenehm ist und weil niemand einen dazu zwingt. Genau deshalb lohnt es sich, sie einmal in Ruhe hinzuschreiben.
Kurzantwort
Vom Preis gehen ab: anteilige Raumkosten, Wäsche und Öl, Fahrt, Versicherungen, Steuern, Rücklagen für Ausfalltage und Altersvorsorge. Die größte Position steht auf keinem Beleg: die unbezahlte Arbeitszeit. Entscheidend ist deshalb nicht dein Stundenpreis, sondern dein Stundenlohn über den ganzen Monat — alles, was übrig bleibt, geteilt durch alle Stunden, die der Betrieb dich gekostet hat.
Warum der Stundenpreis nichts über den Stundenlohn sagt
Wenn mich jemand im Kurs fragt, ob ein bestimmter Preis „gut“ sei, kann ich das nicht beantworten. Nicht aus Höflichkeit, sondern weil die Frage falsch gestellt ist. Ein Preis ist weder gut noch schlecht. Er ist nur die eine Seite einer Rechnung, deren andere Seite die meisten nie aufschreiben.
Der Stundenpreis ist das, was der Gast bezahlt. Der Stundenlohn ist das, was am Monatsende übrig bleibt, geteilt durch alle Stunden, die du in diesem Monat für den Betrieb gearbeitet hast. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt in der Praxis ein erheblicher Abstand — und wie groß er ist, hängt so sehr von der eigenen Situation ab, dass jede Faustregel, die ich hier nennen würde, bei der Hälfte der Leserinnen und Leser falsch wäre. Wie du von der Zielgröße rückwärts zum Preis kommst, steht in Massagepreise kalkulieren. Diese Seite hier geht den umgekehrten Weg: vom Preis nach unten, bis nichts mehr abzuziehen ist.
Was vom Preis abgeht
Die folgende Liste ist der Kern der Sache. Sie enthält keine Beträge, weil deine Beträge in deinen Unterlagen stehen und nirgendwo sonst. Sie enthält aber alle Posten, die ich in Gesprächen mit Absolventinnen und Absolventen regelmäßig vermisse.
| Position | Woher der Wert kommt | Wird oft vergessen, weil … |
|---|---|---|
| Raumkosten anteilig | Mietvertrag, Nebenkostenabrechnung; bei Arbeit zu Hause der anteilige Raum | … sie ohnehin abgebucht wird und nicht am einzelnen Termin hängt |
| Wäsche | Waschmittel, Strom, Wasser, Ersatzbeschaffung, Trocknerlaufzeit | … niemand die Waschmaschine dem Termin zuordnet |
| Öl und Verbrauchsmaterial | Rechnungen des Lieferanten, geteilt durch die Anwendungen | … der Kanister lange hält und der Kauf selten ist |
| Fahrt | Kilometeraufzeichnung, Fahrzeugkosten, öffentliche Verkehrsmittel | … das Auto sowieso da ist |
| Versicherungen | Beitragsrechnungen deiner Policen | … sie jährlich abgebucht werden und im Monatsbild fehlen |
| Steuern | Steuerbescheid, Vorauszahlungsbescheid, Steuerberatung | … sie erst später fällig werden |
| Rücklage für Ausfalltage | eigene Entscheidung, orientiert an Urlaub und Krankheitstagen | … es kein Konto gibt, das danach fragt |
| Altersvorsorge | Rentenversicherung, private Verträge, Beratungsgespräch | … sie sich beliebig verschieben lässt |
| Unbezahlte Arbeitszeit | eigene Aufzeichnung über eine typische Woche | … sie auf keinem Beleg auftaucht |
Für die ersten acht Positionen brauchst du nur deine Unterlagen. Für die neunte brauchst du einen Stift und eine Woche Geduld — und sie ist der eigentliche Grund, warum diese Seite existiert. Welche Belege du dafür ohnehin sammeln solltest, steht in Buchhaltung und EÜR für Masseure.
Die unbezahlte Zeit ist meist die größte Position
Das ist die unbequemste Erkenntnis in diesem Beruf, und sie trifft alle, die freundlich und gründlich arbeiten, besonders hart. Denn genau das erzeugt unbezahlte Zeit: das gute Vorgespräch, die frisch gebügelte Wäsche, die Rückmeldung am Abend, der Anruf zur Terminverschiebung.
| Tätigkeit | Wird bezahlt? | Fällt an |
|---|---|---|
| Raum vorbereiten, Liege beziehen, Öl anwärmen | nein | vor jedem Termin |
| Nachbereiten, lüften, desinfizieren | nein | nach jedem Termin |
| Wäsche waschen, trocknen, zusammenlegen | nein | mehrmals pro Woche |
| Terminvereinbarung, Rückrufe, Erinnerungen | nein | laufend |
| Rechnungen schreiben, Belege sortieren | nein | monatlich |
| Website, Fotos, Social Media, Google-Eintrag | nein | laufend |
| Einkauf von Öl, Wäsche, Verbrauchsmaterial | nein | regelmäßig |
| Fortbildung und Übungszeit | nein, kostet zusätzlich | jährlich |
| Fahrt zum Hausbesuch, Auf- und Abbau | meist nein | bei jedem Hausbesuch |
| Die Anwendung selbst | ja | pro Termin |
Eine Zeile bringt Geld. Neun nicht. Das ist keine Klage, sondern eine betriebswirtschaftliche Beschreibung — in jedem Dienstleistungsberuf ist es ähnlich. Der Unterschied ist nur, dass bei uns die bezahlte Tätigkeit körperlich anstrengend ist und sich deshalb nicht beliebig vermehren lässt. Wie viele Anwendungen an einem Tag dauerhaft tragbar sind, habe ich in Wie viele Massagen pro Tag beschrieben.
Nimm dir eine ganz normale Woche und schreibe mit. Nicht auf die Minute genau — grob reicht. Ein Blatt, links die Tätigkeit, rechts die Zeit. Waschen zählt ab dem Moment, in dem du die Maschine belädst, bis zum Einräumen des Schranks. Telefonate zählen mit. Der Weg zum Drogeriemarkt für Öl zählt mit. Am Sonntagabend addierst du zwei Summen: die bezahlten Stunden und alle übrigen. Fast alle, die das zum ersten Mal machen, sind überrascht. Ich war es damals auch.
Drei Posten, die fast immer zu niedrig angesetzt werden
Die Raumkosten. Wer einen Behandlungsraum mietet, hat den Betrag schwarz auf weiß. Schwieriger wird es bei denen, die zu Hause arbeiten — da fühlt sich der Raum kostenlos an, weil die Wohnung ohnehin bezahlt wird. Betriebswirtschaftlich stimmt das nicht: Der Raum steht dem Betrieb zur Verfügung und nicht dem Wohnen, er wird geheizt, gereinigt, ausgestattet und irgendwann renoviert. Ob und wie sich das steuerlich abbilden lässt, ist eine eigene Frage und gehört in die Steuerberatung. Für deine eigene Rechnung setzt du ihn trotzdem an, sonst rechnest du dir eine Ersparnis vor, die deine Nachbarin mit gemietetem Raum nicht hat — und vergleichst dich anschließend mit ihr.
Die Ausfalltage. Es gibt keine bezahlte Krankheit und keinen bezahlten Urlaub. Jeder Tag, an dem du nicht arbeitest, muss von den Tagen mitgetragen werden, an denen du arbeitest. Dazu kommen die Wochen, in denen einfach weniger gebucht wird — die gibt es in jedem Jahr, und sie liegen bei den meisten erstaunlich verlässlich an denselben Stellen. Wer sich diese Wochen notiert, statt sie zu verdrängen, kann sie beim nächsten Mal einplanen: für Fortbildung, für Renovierung, für Urlaub, den man ohnehin nehmen sollte.
Der Verschleiß. Handtücher werden dünn, Laken bekommen Ölflecken, die Liege bekommt Spiel, das Wärmegerät gibt auf. Nichts davon passiert an einem bestimmten Tag, und genau deshalb taucht es in keiner Monatsrechnung auf — bis alles gleichzeitig fällig wird. Ich halte es deshalb wie mit den Steuern: ein kleiner Betrag pro Anwendung, sofort beiseitegelegt. Wenn die Liege dann getauscht werden muss, ist das eine Bestellung und keine Krise.
Diese drei Posten haben eines gemeinsam: Sie erzeugen keinen Schmerz im Moment, in dem sie entstehen. Genau deshalb fehlen sie in fast jeder Kalkulation, die ich von Anfängerinnen und Anfängern zu sehen bekomme — und genau deshalb stehen sie in der folgenden Rechnung als eigene Zeilen.
Die Rechnung Schritt für Schritt
Du brauchst dafür kein Buchhaltungsprogramm und keine Kenntnisse in doppelter Buchführung. Ein Monat, ein Blatt, eine halbe Stunde. Trage in die rechte Spalte deine eigenen Werte ein.
| Schritt | Was du einträgst | Dein Wert |
|---|---|---|
| 1 | Alle Einnahmen des Monats, die tatsächlich eingegangen sind | ______ |
| 2 | Miete oder anteilige Raumkosten für diesen Monat | − ______ |
| 3 | Wäsche, Öl, Verbrauchsmaterial, Reinigung | − ______ |
| 4 | Fahrtkosten des Monats | − ______ |
| 5 | Versicherungen, auf den Monat heruntergerechnet | − ______ |
| 6 | Sonstiges: Telefon, Internet, Software, Werbung, Beiträge | − ______ |
| 7 | Zwischensumme: Überschuss vor Steuern und Vorsorge | = ______ |
| 8 | Betrag, den du für Steuern zurücklegst (Höhe: mit der Steuerberatung klären) | − ______ |
| 9 | Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge | − ______ |
| 10 | Rücklage für Urlaub, Krankheit, Fortbildung, Ersatzbeschaffung | − ______ |
| 11 | Das bleibt dir zum Leben | = ______ |
| 12 | Alle Stunden, die du im Monat für den Betrieb gearbeitet hast | ______ h |
| 13 | Dein Stundenlohn: Zeile 11 geteilt durch Zeile 12 | = ______ |
Zeile 13 ist die Zahl, um die es geht. Sie ist mit nichts vergleichbar, was auf deiner Preisliste steht. Und sie ist die einzige, die dir sagt, ob dein Betrieb dich trägt. Wenn du mobil arbeitest, lies dazu unbedingt Mobile Massage kalkulieren — dort verschiebt sich das Verhältnis von bezahlter zu unbezahlter Zeit noch einmal deutlich.
Erstens: den Bruttopreis für Einkommen halten. Was der Gast zahlt, ist Umsatz. Ein Teil davon gehört von Anfang an anderen — dem Vermieter, dem Finanzamt, der Krankenkasse. Wer den vollen Betrag als verfügbar betrachtet, gibt Geld aus, das ihm nicht gehört.
Zweitens: die Fahrtzeit vergessen. Bei Hausbesuchen ist die Fahrt oft der größere Teil des Termins. Rechnest du sie nicht mit, sieht ausgerechnet die schlecht bezahlte Arbeit am besten aus.
Drittens: mit einem Jahr rechnen, das es nicht gibt. Urlaub, Krankheit, Feiertage, Fortbildungstage und Wochen mit dünner Buchungslage sind keine Ausnahme, sondern Bestandteil jedes Jahres. Wer mit voller Auslastung über alle Wochen rechnet, plant an der Wirklichkeit vorbei.
Was die Rechnung für deine Preise bedeutet
Die häufigste Reaktion auf ein ernüchterndes Ergebnis ist der Wunsch, mehr Termine zu geben. Das ist fast immer der schlechteste der möglichen Wege, weil er die einzige Ressource verbraucht, die sich nicht nachkaufen lässt: deine Schultern, Hände und Daumen. Sinnvoller ist diese Reihenfolge:
- Zuerst die unbezahlte Zeit verkürzen. Feste Wäschetage statt täglich eine halbe Maschine. Ein überschaubares Angebot statt zwölf Varianten. Terminvergabe bündeln, statt den ganzen Tag erreichbar zu sein.
- Dann die Ausfälle senken. Jeder ausgefallene Termin ist eine bezahlte Stunde weniger bei gleichbleibenden Fixkosten. Was hilft, steht in No-Shows und Terminausfälle.
- Dann die Kosten prüfen. Nicht am Öl sparen, sondern an dem, was du nicht brauchst: ungenutzte Abos, doppelte Versicherungen, zu große Räume.
- Und erst dann den Preis anfassen. Angekündigt, in einem Satz, ohne Rechtfertigung — wie das geht, steht in Massagepreise erhöhen.
Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen: Die Rücklage für die Altersvorsorge ist kein Rest, der übrig bleiben darf, sondern ein Posten wie die Miete. Wer sie als Restgröße behandelt, findet sie nie. Was dabei zu bedenken ist, steht in Rentenversicherung und Altersvorsorge.
Und noch etwas: Diese Rechnung ist kein Urteil über deine Arbeit. Sie ist ein Messgerät. Ich habe sie in meinen ersten Jahren nicht gemacht und dadurch länger als nötig geglaubt, es liege an mir. Es lag an einer Rechnung, die ich nie aufgeschrieben hatte.
Häufige Fragen
Was bleibt von einer Massage am Ende übrig?
Deutlich weniger als der Preis auf der Preisliste. Abzuziehen sind die anteiligen Raumkosten, Wäsche und Öl, Fahrtkosten, Versicherungen, Steuern, Rücklagen für Ausfalltage und die Altersvorsorge. Wie viel übrig bleibt, hängt so stark von deiner Situation ab, dass jede allgemeine Zahl in die Irre führen würde. Die Rechnung musst du für dich selbst aufmachen — sie dauert einen Abend.
Was ist der Unterschied zwischen Stundenpreis und Stundenlohn?
Der Stundenpreis ist das, was auf der Preisliste steht. Der Stundenlohn ist das, was nach allen Abzügen übrig bleibt, geteilt durch alle Stunden, die du im Monat für den Betrieb gearbeitet hast — also einschließlich Wäsche, Verwaltung, Fahrt, Werbung und Fortbildung. Nur diese zweite Zahl sagt etwas darüber aus, ob sich deine Arbeit trägt.
Warum ist die unbezahlte Zeit meist die größte Position?
Weil sie nirgends auftaucht. Öl und Wäsche stehen auf Belegen, die Miete auf dem Kontoauszug — die unbezahlte Zeit steht nirgends. Sie fällt aber bei jedem Termin an: Vorbereiten, Nachbereiten, Waschen, Schreiben, Telefonieren, Buchhalten, Werben, Fortbilden. Wer sie nicht mitzählt, hält seinen Stundenpreis für seinen Stundenlohn.
Wie rechne ich das ohne Buchhaltungswissen aus?
Mit einem einzigen Monat und einem Blatt Papier. Trage alle Einnahmen des Monats ein, ziehe alle betrieblichen Ausgaben ab, ziehe die Beträge ab, die du für Steuern und Vorsorge zurücklegst, und teile das Ergebnis durch die Stunden, die du tatsächlich für den Betrieb gearbeitet hast. Das ist keine Buchhaltung, sondern eine Überschlagsrechnung — für die Steuererklärung bleibt die Steuerberatung zuständig.
Muss ich Ausfalltage und Urlaub wirklich einrechnen?
Ja. Als Selbstständige bekommst du weder Urlaubs- noch Krankengeld aus dem laufenden Betrieb. Jeder Tag ohne Termine muss von den Tagen mit Terminen mitgetragen werden. Wer mit voller Auslastung über alle Wochen des Jahres rechnet, rechnet mit einem Jahr, das es nicht gibt.
Zählt die Fahrtzeit zur Arbeitszeit?
In der Rechnung ja, auch wenn sie niemand bezahlt. Bei Hausbesuchen und mobiler Massage kann die Fahrt die eigentliche Anwendungszeit erreichen oder übertreffen. Wer Hin- und Rückweg nicht mitzählt, überschätzt seinen Stundenlohn genau dort, wo er am niedrigsten ist.
Ist der Preis auf meiner Rechnung mein Einkommen?
Nein. Das ist der häufigste Denkfehler. Der Betrag, den der Gast zahlt, ist Umsatz. Davon gehen Kosten, Steuern und Vorsorge ab. Wer den Umsatz für Einkommen hält, gibt Geld aus, das schon jemand anderem gehört — dem Vermieter, dem Finanzamt, der Krankenkasse.
Was mache ich, wenn die Rechnung ernüchternd ausfällt?
Nicht sofort am Preis drehen. Schau zuerst, welche Position am größten ist. Oft lässt sich die unbezahlte Zeit verkürzen, bevor der Preis steigen muss — feste Wäschetage, ein einfacheres Angebot, weniger Terminabsprachen per Telefon. Und wenn der Preis doch steigen muss, dann bewusst und angekündigt, nicht heimlich.
Quellen und Anlaufstellen
- Eigene Aufzeichnungen aus Praxis und Kursleitung seit 2012, Massageschule Baumann
- Steuerberatung — für die Einordnung von Betriebsausgaben, Rücklagen und Vorsorgeaufwand
- Zuständiges Finanzamt — für Fragen zu Vorauszahlungen und zur Gewinnermittlung
- Industrie- und Handelskammer sowie Gründungsberatung — kostenfreie Erstgespräche zur Kalkulation
- Deutsche Rentenversicherung und unabhängige Versicherungsberatung — zur Vorsorgeplanung
Erfahrungsbericht, keine Steuer-, Rechts- oder Unternehmensberatung. Diese Seite beschreibt eine Denk- und Rechenweise, keine verbindliche Kalkulation. Welche Ausgaben in deinem Fall betrieblich absetzbar sind, wie hoch Steuern und Beiträge ausfallen und welche Rücklagen sinnvoll sind, kann nur eine Steuerberatung im Blick auf deine Unterlagen beurteilen; für Fragen zur Veranlagung ist das Finanzamt zuständig. Stand dieser Seite: 5. August 2026.